Harry und Sally

When Harry Met Sally...

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Detlef P.
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Harry und Sally

Beitrag von Detlef P. »

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USA, 1989
Regie: Rob Reiner
Darsteller: Billy Crystal, Meg Ryan, Carrie Fisher, Bruno Kirby, Steven Ford, Lisa Jane Persky

"Die beiden College-Absolventen Harry (Billy Crystal) und Sally (Meg Ryan) lernen sich 1977 auf einer gemeinsamen Fahrt von Chicago nach New York kennen. Während der langen Autofahrt wird schnell klar, dass sich beide eigentlich überhaupt nicht sympathisch sind. Fünf Jahre später treffen sie sich zufällig am Flughafen wieder. Beide sind glücklich liiert und so will der Funke erneut nicht so recht überspringen. Erst nachdem sie sich weitere fünf Jahre später in einem Buchladen ein weiteres Mal begegnen, schließen sie eine platonische Freundschaft. Als dann irgendwann doch Sex ins Spiel kommt, wird die Sache kompliziert..." (www.filmstarts.de)

Ich muss etwa 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein, als ich diesen Film das erste (und tatsächlich auch einzige) Mal sah.
Eigentlich hatte ich überhaupt keinen Bock auf den Film, obwohl ich der romantischen Komödie nie abgeneigt war. Ganz im Gegenteil sogar!
Aber dieser Film sprach mich überhaupt nicht an. Ich war und bin weder ein sonderlich großer Fan von Billy Crystal, noch Meg Ryan und die Geschichte klang für mich eher öde.
Der Grund, warum ich mir den Film ansah, war der, dass ich damals die von den Cinema-Lesern gewählten Top 100 der besten Filme, die im Mai 2000 erschien und die ich auch hier mal vorgestellt habe, abarbeitete, da ich (mit Erschrecken :mrgreen: ) feststellen musste, dass ich - obwohl ich ja damals schon lange großer Filmfan war - lediglich 26 dieser Top 100-Filme gesehen hatte.
Daher nahm ich mir vor, die Liste einmal komplett durchzuarbeiten (abgesehen von "Titanic", den ich mir aus Prinzip und Protest immer gespart habe :fuckU: ) und kam so tatsächlich das erste Mal mit einigen der größten Filmklassikern überhaupt in Kontakt.
Dafür bin ich dieser Liste auch heute noch sehr dankbar und sie liegt tatsächlich auch gerade aufgeschlagen neben mir auf dem Schreibtisch, während ich diese Zeilen tippe und gerade sogar ein wenig nostalgisch werde :smile:

So, und in dieser Liste befand sich auch "Harry und Sally". Und nur, weil er sich in dieser Liste befand "musste" ich ihn mir ansehen.
Widerstrebend und eigentlich genervt, steckte ich das Video, das ich mir aus der Stadtbibliothek Gütersloh ausgeliehen hatte, in den Player und startete den Film.
Jedoch definitiv mit einer "Na gut, dann bringen wir es mal hinter uns"-Haltung.
Aber, was soll ich sagen, schon die ersten Minuten, in denen das erste Zusammentreffen und die gemeinsame Autofahrt der beiden gezeigt wird, war so entwaffnend charmant, auf eine bizarre Weise klug und zugleich unglaublich komisch, dass sich mein verhärmtes Gesicht zu lösen begann und ich schmunzeln und an einigen Stellen sogar lachen musste.
Wow, damit hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. Was für eine angenehme Überraschung.
Bereits nach den ersten Minuten war ich gefangen von der leichten Filmmagie, die sich da vor mir abspielte.
Und das ging danach den ganzen Film über so weiter. Da merkte ich, dass ich den Film völlig falsch eingeschätzt hatte und dass man dieser eher abgenutzten Grundprämisse einer Screwball-Comedy doch noch erstaunlich viele frische Seiten abgewinnen konnte.
Was ich ganz besonders angenehm fand und womit ich überhaupt gar nicht gerechnet hatte, war das komplette Aussparen von Kitsch oder Sentimentalitäten.
Dieser Film wirkte, trotz des völlig humoristischen Ansatzes, unglaublich erwachsen im Umgang mit der Thematik und man hatte endlich mal nicht das Gefühl, dass hier Fantasien von jungen Teenie-Mädchen oder sitzengelassenen Frauen um die 40 befriedigt werden sollen, um es mal ganz salopp auszudrücken.

Und ich muss gestehen, dass das (Zusammen-)Spiel von Crystal und Ryan hier einfach grandios funktioniert.
Ich bin, wie gesagt, von keinem von beiden ein großer Fan, da mir ihre Filme und ihre Rollen in diesen oft genug total auf den Sack gegangen sind (obwohl Meg Ryan immerhin noch ein paar wirklich gute dabei hatte), aber hier spielen beide ihre Rollen so unglaublich überzeugend und mit einem so wahnsinnig guten und stimmigen Timing, dass man sich wirklich niemand anderen in diesen Rollen vorstellen kann.
An dieser Stelle muss ich mal Volands großartigen Satz entstauben, dass Minus mal Minus im Filmgeschäft manchmal ein Plus ergeben kann. Hihi!
Anders kann ich mir das nicht erklären.
Allerdings profitieren hier beide auch von einem wirklich gelungenen Drehbuch mit bissigen Dialogen und herrlichen Pointen von Nora Ephron, das sogar für den Oscar nominiert wurde. Und das bei einer Liebeskomödie, was man auch erstmal schaffen muss.

Somit bleibt am Ende eine eigentlich kleine und billig produzierte Komödie, die zu einer der größten und besten Screwball-Comedies der 80er Jahre avancieren sollte.


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