Eierdiebe

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Detlef P.
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Eierdiebe

Beitrag von Detlef P. »

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D, 2003
Regie: Robert Schwentke
Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Julia Hummer, Antoine Monot, Jr., Janek Rieke, Alexander Beyer, Doris Schretzmayer, Götz Schubert, Marie Gruber, Thomas Thieme

"Der groteske Horror in der Hose des Elite-Studenten Martin Schwarz (Wotan Wilke Möhring), beginnt während eines Ferienaufenthalts bei seinen Eltern in Berlin. Beim Weinholen bricht er zusammen. Diagnose: Hodenkrebs. Einer von beiden wird sofort entfernt. Die Ärzte raten flugs zur Totaloperation. Martin verspürt indes keine Neigung, sich völlig entmannen zu lassen und entscheidet sich gegen den Rat der Ärzte, um eine stationäre Chemotherapie zu beginnen. Seine Schicksalsgenossen im Krankenzimmer sind Nickel (Janek Rieke) und Harry (Antoine Monot jr.). Die drei machen das Beste aus ihrer Situation. Und alle drei verschießen sich natürlich in Susanne (Julia Hummer), die lieber bei den Jungs als in der Frauenabteilung weilt. Martins Mutter Gabriele (Marie Gruber) indes trägt unbeirrbar seine Lehrbücher in die Klinik, damit Martin ja den Anschluss an sein Studium nicht verpasst. Der Versuch die Normalität zu konservieren, ist natürlich zum Scheitern verurteilt. Denn Martin begreift, dass der Ernst der üblen Lage nur noch mit noch ernsterem, rabenschwarzen Humor zu ertragen ist. Und so bricht das Trio Infernale des Amusements nachts in die Pathologie ein, um Martins verlorenes Ei zu suchen…" (www.kino-zeit.de)

Martin Scheffer, ... äh Schwarz, Student im dritten Semester, hat ein kleines Problem... :winkie:
So, heute kommt der dritte Film des Ostermarathons. Und da wir den obligatorischen Film mit dem Hasen/Kaninchen gestern schon hatten, welcher Film würde da näher liegen, als dieser, an einem Tag, wo man Eier verstecken und suchen muss? :cityofgod:
O.k., der Satz mag tatsächlich in diesem Zusammenhang sehr makaber klingen, aber dann passt er immerhin total gut zu diesem Film. Denn der Humor ist teilweise rabenschwarz.

Eines aber noch vorweg: Falls Ihr Euch den Film mal anseht, bitte nicht(!) von den ersten fünf Minuten abschrecken lassen, die einem so vorkommen, wie dieser "übliche", klischeehafte Filmmüll, der leider zum Teil aus Deutschland kommt. Wo man beim Publikum mit dem Holzhammer das Thema etablieren und zugleich zeigen will, dass man gaaanz anders ist, in dem zum Beispiel ein Typ eine Frau im Keller nagelt und auch nicht aufhört, als sein Bruder reinkommt :roll:
Damals dachte ich erst, ich hätte mit diesem Film einen Fehler gemacht. Aber zum Glück macht der Film von Robert Schwentke, der übrigens zuvor den ebenfalls hervorragenden deutschen Thriller "Tattoo" drehte und später noch nach Hollywood gehen sollte, um dort Filme wie "R.E.D." oder "Flightplan" (o.k., niemand ist perfekt :oops: ) zu inszenieren, danach eine 180 Grad-Wendung und entfaltet sein ganzes Potential.

Der ganze Film ist auf eine bizarre und sehr groteske Art sehr komisch, verliert aber nie die Ernsthaftigkeit und das sehr seriöse Thema, um das es hier geht, aus den Augen und lässt es vor allem an keiner einzigen Stelle zu einem kitschigen Krankenhaus-Drama verkommen.
Das liegt vermutlich daran, dass Schwentke selbst tatsächlich aus Erfahrung spricht. Er selbst ist Überlebender von Hodenkrebs und hat hier persönliche Erfahrungen mit einfließen lassen.
Dadurch schafft er auch diese sehr dünne Gradwanderung zwischen schwarzem Humor und völlig absurder Komik, die aber tatsächlich immer aus der Situation heraus entsteht und nie gewollt wirkt, und auf der anderen Seite ruhigen Momenten, die ganz in stille Dramatik und Melancholie getaucht sind und die Protagonisten - und somit auch die Zuschauer - nachdenken lassen.

Die Darsteller sind auch alle wirklich sehr passend besetzt. Sogar Wotan Wilke Möhring macht seine Sache ziemlich gut, von dem ich jetzt nicht der größte Fan bin. Aber dieses minimalistsiche Auftreten seinerseits, passt hier tatsächlich ziemlich gut.
Naja, und die anderen sind ja eigentlich alle großartige Darsteller aus der zweiten Reihe, die leider viel zu unbekannt sind oder damals sehr schnell wieder - unverdient - aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwanden.
Umso angenehmer, dass der Film nicht - wie sonst teilweise üblich - mit irgendwelchen Fernsehfressen oder Soap-Visagen besetzt wurde, sondern dass man Schauspieler genommen hat, die funktionieren und ihr Handwerk verstehen.
Ich lege Euch diesen Film sehr ans Herz, weil es sich hier wirklich einmal um eine extrem geglückte Symbiose im Bereich des deutschen Films handelt.
Ach ja, und viel Spaß bei der Eiersuche :xmas:


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