Laurin

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Detlef P.
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Laurin

Beitrag von Detlef P. »

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BRD/H, 1989
Regie: Robert Sigl
Darsteller: Dóra Szinetár, Brigitte Karner, Károly Eperjes, Hédi Temessy, Barnabás Tóth, Katalin Sir, Endre Kátay, János Derzsi, Zoltán Gera

"Das neunjährige Mädchen Laurin (Dóra Szinetár) wohnt im Jahr 1901 in einem kleinen norddeutschen Dorf an der Küste. Aus der Ortschaft verschwinden nach und nach immer mehr Jungen - ein maskierter Knabenjäger scheint sein Unwesen zu treiben. Als auch Laurins bester Freund Stefan abhandenkommt und ihre Mutter unter geheimnisvollen Umständen verstirbt, nutzt sie ihre übersinnliche Begabung in Form von Visionen, um die Hintergründe der Geschehnisse aufzudecken." (www.moviepilot.de)

Zum Abschluss meiner Filmreihe über das deutsche Kino in dieser Woche, möchte ich einen Film präsentieren, der sich auf die Ursprünge des Weimarer Kinos besinnt - und somit ein kleiner Geheimtipp geschaffen wurde.
Der Film "Laurin" wurde Ende der 80er Jahre von dem damaligen Nachwuchsregisseur Robert Sigl gedreht und bedient sich all der Elemente, die wir aus frühen Werken wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" oder "Nosferatu" kennen.
Es ist ein ganz klassischer, atmosphärischer Horrorfilm, der der sogenannten "schwarzen Romantik" zugeordnet wird, zu denen unter anderem die Frühwerke von Murnau oder Fritz Lang, aber auch der alte "Dracula" von Tod Browning zählen.

Leider hatte dieser nur eine geringe Kinoauswertung und ist danach für lange Zeit von der Bildfläche verschwunden, was ich wirklich traurig finde.
Da kommt schon mal ein Genrefilm aus Deutschland - der zudem auch noch wirklich gut ist - und dann passiert so etwas.
Ich meine, wir haben den Horrorfilm doch quasi erfunden. Das waren WIR verdammt! "Das Cabinet des Dr. Caligari" wird immer wieder als einer der wegweisesten und oft sogar als erster "richtiger" Horrorfilm der Filmgeschichte genannt. Warum hat es dann dieses Genre in der heutigen Zeit bei uns so schwer?
Ich werde es nie verstehen.

"Laurin" wurde tatsächlich nicht in Deutschland, sondern in Ungarn mit einem fast komplett ungarischen Cast gedreht. Und das ist aus zweierlei Gründen gut.
Zum einen sind wirklich völlig unverbrauchte Gesichter im Film zu finden, die allesamt hervorragend funktionieren. Zum anderen sind die Landschaften und die Gemäuer, die dort als Kulissen dienten, so unheimlich wie faszinierend und einfach atemberaubend schön.
Dadurch, dass die Darsteller kein deutsch sprachen, wurde der O-Ton für die Kinoauswertung nachsynchronisiert, was dem Film den letzten Funken des "Deutschseins" raubt - aber das ist durchaus positiv gemeint!
Man hat an keiner einzigen Stelle das Gefühl, dass es sich hierbei um einen deutschen Film handelt und wenn ich es - als ich dem Film in jungen Jahren im Nachtprogramm entdeckte - nicht in der Fernsehzeitschrift gelesen hätte, hätte ich es nicht geglaubt.
Überhaupt wird hier mit der Tonspur das gemacht, was ich oft im deutschen Kino vermisse. Sie wird genutzt!
Oft genug wird weder Filmmusik noch Sounddesign richtig und ausführlich eingesetzt, was ich sehr, sehr schade finde. Denn Film ist ein AUDIOvisuelles Medium und sollte auch genau so genutzt werden.
Hier wurde dies jedoch in vollem Umfang getan und man hört beinahe durchgängig entweder ein Knarren, ein Windpfeifen, ein Meeresrauschen oder irgendein anderes Geräusch im Hintergrund, was die kongenialen Bilder hervorragend zu unterstreichen vermag und somit eine nahezu perfekte, weil schaurig-schöne Atmosphäre erschaffen wird.
Überhaupt kommt die Geschichte ohne viel Blut aus und stützt sich ganz auf das Geheimnisvolle, das Unbekannte, das hier erforscht wird und uns durch die Perspektive der kleinen Laurin näher gebracht wird, wodurch der Film sich in der Suggestion nahezu vergräbt.

Das Sahnehäubchen für Murillo wird sein, dass dann auch noch sein ungarischer Lieblingsschauspieler Károly Eperjes mitspielt, der hier den strengen Dorflehrer geben darf.

Falls Euch diese wunderbare Perle des deutschen Genrekinos bisher verwehrt geblieben ist, seht sie Euch unbedingt mal an.
Und wenn nur als Erinnerung daran, was wir früher mal konnten und heutzutage immer noch könnten, wenn die Produktionsfirmen einige Leute nur mal machen lassen würden.


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