Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

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Moderator: Damien3

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Damien3
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Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

So...da ist nun endlich der Film auf Netflix den ich auch mal SEHEN möchte.

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Und was soll ich sagen....ich habe es gleich 4 mal an diesem Wochenende gemacht...KEIN WITZ!

Für mich war es wichtig das meine Kinder dieses Zeitdokument sehen. Gerade in einer Zeit in der ein weiterer Krieg in Europa stattfindet.
Und gerade DIESER Krieg...in den die Jugendlichen noch voller Wahn und Begeisterung eingestiegen sind und es kaum erwarten konnten endlich "Franzosen zu erledigen"

Ich denke viele kennen den Klassiker von 1930 noch.
Vor allem den Schluß...mit dem Schmetterling....
Was für eine Meisterleistung aus dieser Zeit.

Und ich habe das Gefühl das genau das auch zu Herzen genommen wurde.
Die Meisterleistung in den 1930ern bestand darin "fliegende" Kameras an Kränen zu benutzen um in Vogelperspektive über die Gräben zu fliegen.
Schnitte zu nutzen die so nicht bekannt waren. Musik einzufügen und sprechende Soldaten opbwohl das Medium des Sprechfilmes noch in den Kinderschuhen steckte.

Genau diese Herangehensweise kann ich nun auch bei der Neuverfilmung von Edward Berger erkennen.
Es ist ein Film auf der absoluten Höhe der Zeit. Denn die Errungenschaften die wir heute zur Verfügung haben, sind allesamt enthalten und werden auf ein neues Level gehievt. Und das ist für mich im deutschen Film ein Novum.

Ich gehe erstmal auf den technischen Aspekt des Filmes ein.

Hier ist eine Kameraarbeit hervorzuheben die ich so noch in nie in Deutschland gesehen habe.
Sie ist immer dabei...sie ist schnell....sie ist beweglich wechselt Perspektiven und ist wie losgelöst.
Es brennen sich Bilder in den Kopf die man nicht mehr vergisst.
Es ist wie vor fast 100 Jahren...du hast die absoluten Meister ihrer Klassen vereint.
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Der kongeniale Schnitt tut auch hier sein übriges der zsammen mit der Kameraführung einen nie vergessen lässt wo man ist und was passiert.
Es ist schwer zu beschreiben...aber es ist ein aufgräumtes Chaos was perfekt aufgnommen wurde und eine Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten.

Hinzu kommt eine sofort IKONISCH gewordene Musik!!!!!
Die MUSIK!!!!
Oder soll ich sagen...Musikgeräusche===???

Das ist schon sehr sehr mutig von Volker Bertelmann was er da an Klangteppichen und klassischer Musik zaubert.
Das ist manchmal so extrem das ich als Filmfan der darauf achtet echt rausgerissen wirst.
Manchmal wirkt es als gehe plötzlich Trommelfeuer los und du brauchst echt ein paar Sekunden um zu begreifen das es die Musik ist!
Und dann diese 3 Instant- Classic- Töne!
Ihr werdet sofort wissen was ich meine.

Wenn wir aber mal die ganzen technischen Aspekte weglassen und runterbrechen was so aufregend ist....es ist die Brutalität und Schonungslosigkeit mit der hier aufgeführt wird das es NICHTS heroisches auf einem Schlachtfeld gibt!
Und diese ganzen technischen Dinge die ich so liebe übernehmen keine Hauptrolle im Film...sie untermalen nur in Perfektion alles andere.

Die Grundstimmung ist manchmal mit Terence Malick zu vergleichen. Die Ambivalenz von Natur und Krieg.
Auch hier gibt es atemberaubende Naturaufnahmen in Mitten des Grauens. Bilder von Leuchtraketen in der Nacht die dem ganzen schon fast wieder was schönes geben. Der Rest besteht aber fast auschließlich nur aus TOD.

Tod. Verzweifelung und Brutalität die wirklich am Magen kratzen und die meine "hartgesottenen" Kids zum wegschauen zwangen.
JA es IST SO schlimm!
Ohne Rücksicht auf Verluste oder Einschränkungen durch die FSK bohrt sich einen Schneise der Zerstörung menschlicher Körper und Teile durch die 2,5 Stunden Film.

Die Verfilmung ist eher "frei" anzusehen. Es werden sogar die überlieferten Friedensverhandlungen mit aufgenommen die im Buch überhaupt nicht vorkamen. Diese beiten eine kleine Auszeit für den Magen um sich wieder zu beruhigen...sind aber in keinster Weise fehl am Platze.

Der einzige Punkt an den ich nicht ins "Schwärmen" gerate ist die Charakterzeichnung.
Sie leidet doch ein wenig unter all diesem Stahlgewitter und fliegenden Kugeln.
Ich hätte mir anstatt der Friedensverhandlungen mehr aus der Welt VOR dem Kriegseinzug gewüscht. Einfach noch um zu sehen was die Jungs vorher gemacht haben und wo sie herkamen. Aber das ist tatsächlich sowas wie "die Mona Lisa hübscher zu malen" und einige Mitgucker waren da gar nicht einer Meinung.

Die Handlung startet mit einem weiteren Platzhalter der Sinnlosigkeit.
Bei 17 Millionen Toten im 1. Weltkrieg und allein 4 Millionen Toten an der Westfront, an der dieser Film spielt, ist es klar das nicht so viele Uniformen genähr werden können. Also sehen wir den Heinrich, wie er mit seinen Leuten den Marschbefehl aus dem Schützengraben bekommt und losrennt.
Danach sehen wir Leichenberge von diesem weiteren unnötigen Vorstoß um 200m. Darunter unser Heinrich. Er wird in ein Massengrab verscharrt und seine Uniform wird ihm ausgezogen, zusammengepackt und in blutogen Beuteln in die heimat geschickt.
Wo dieser von Näherinnen in Empfang genommen wird, die die Uniformen von "Löchern" und Rissen befreien und sie wieder aufpeppeln.

Unser Hauptdarsteller, Paul Bäumer, übernimtm diese dann uns fragt warum er die Uniform eines anderen bekommt und der Hauptmann reisst das Etikett ab und sagt "muss ein Fehler sein"....
Was für eine geniale Einführung und was für eine geniale Zusammenfassung von SINNLOSIGKEIT!
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Dier Darsteller in diesem Film ist eine ganz neue Garde des deutschen Films.
Der Hauptdarsteller, Felix Kammerer macht hier sein Filmdebut. Ein Theaterdarsteller der wie damals sein Voregänger 1930 Lew Ayres ohne Erfahrung hier reingeschubst wurde.
Dazu gesellt sich Aaron Hilmer den wir hier lieben gelernt haben in "Das schönste Mädchen der Welt".
Dann noch Albert Schuch und Edin Hasanovich die ja als "alte Hasen" gewertet werden können.
Und alle scheinen in der Form des Lebens zu sein. Es hat echt die alten "Das Boot" Vibes, wenn so frische Köpfe mal allein einen Film zusammenhalten.
Ich würde auch Brief und Siegel geben, das einige von Ihnen auch international Fuß fassen könnten wie die Boot-Darsteller.

Hinzu kommt noch ein grandios aufspielender Devid Striesow, der einen fast satirisch angelegten General Friedrichs spielt.

Ich bin absolut begeistert über diese Riege!

Was Edward Berger hier abgeliefert hat, ist absolut höchstes internationales Niveau und zurecht ein riesen Hit in den USA.
Zurecht munkelt man nicht nur von "Auslandsoscar" sondern von guten Chancen auch in technischen Bereichen wie Kamera, Musik oder Sound und Schnitt nominert zu werden.

Mich durchfährt schon wieder dieses "prickeln" wenn ich diese Review schreibe bei etwas großem an Filmgeschichte teilgenommen zu haben.

Für mich persönlich ist es einer der besten deutschen Filme überhaupt und ich bin stolz das wir sowas zustande bringen!
JA er ist SO gut!

Und sprach ich Anfangs noch von der legendären Schmetterlingsszene von vor 100 Jahren, wird auch hier der gesamte Film höchstwahrscheinlich legendär durch eine Szene werden.
Und zwar in der wo wir und die Hauptdarsteller das erste mal überhaupt mit dieser "neuen Erfindung" Panzer konfrontiert werden.
Diese Inszenierung und der absolute Schrecken die diese Metall Monster verbreiten wird noch viele Jahre als Referenz gelten wie man Schrecken insziniert. Es ist fast wie als wären alle "schrecklichen Filmmonster" mit einem mal ausgelöscht. Das ist das wovon Colonel Kurtz immer sprach:

THE HORROR....THE HORROR!

Freut euch hier auf Filmgeschichte...das ist die Szene mit der der Film immer in einem Atemzug genannt wird.


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Detlef P. »

Tolle Review und es freut mich, dass Dir der Film so gut gefallen hat.
Eigentlich war ich gar nicht so scharf darauf, ihn zu sehen, gerade weil ich das Original von 1930 so gut fand.
Aber auf IMDb hat der ja auch eine echt gute Bewertung, sodass ich mir den Film dann wohl doch mal ansehen werde.

Allerdings weiß ich nicht, ob der tatsächlich Chancen beim Auslandsoscar hat.
Gar nicht auf Grund der Qualität, sondern weil das eine deutsch-amerikanisch-britische Co-Produktion sein soll.
Von daher weiß ich gar nicht, ob die den dann da auch zulassen.
Naja, bald werden wir es erfahren.


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Damien3
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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

Ich bin der Überzeugung wie die Amis darauf abfahren....sie werden ihn auch in anderen Kategorien nominieren. Er lief auch seine 4 Wochen im Kino in Amerika.


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Detlef P. »

Ich kann Dir eigentlich in nahezu allen Punkten zustimmen.
Du hast es perfekt zusammengefasst.
Ein Wahnsinnsfilm!

Vor allem von technischer Seite ein Meisterstück, das zeigt, dass wir nach wie vor im Filmbereich international konkurrenzfähig sind, wenn wir nur wollen und wenn wir uns trauen.
Abgesehen von der wirklich hervorragenden Kameraarbeit, die von einem Engländer kommt, sind alle anderen Bereiche - ob Ausstattung, Kostüme, Maske, Effekte, Ton, Filmmusik, Schnitt und natürlich Regie - in deutscher Hand gewesen.
Ein absoluter Hammer!

Und ja, dieser Film illustriert wie kaum ein anderer Film aus den letzten paar Jahren die absolute, vollkommen beschissene Sinnlosigkeit des Krieges.
Der ganze Film ist super, aber besonders stark stechen die ersten 30 Minuten für mich hervor.
Das war nochmal auf einem ganz anderen Niveau und hat mich komplett von vorne bis hinten nur begeistert.
Das mit der Uniform, die dem anderen wohl "nicht gepasst" hat und die komplette Desillusionierung, als man dann an der Front ankommt und die Stimmung merklich von Minute zu Minute immer mehr in den Keller sinkt und die vier Freunde in Rekordzeit von totaler Begeisterung bei totaler Verzweifung angekommen sind.
Wow wow wow!

Schauspielerisch auch absolut auf der Höhe und wo zur Hölle kommt Felix Kammerer auf einmal her?
Ergattert mal gerade, völlig zurecht, die Hauptrolle in so einer Produktion und legt eine so grandiose Leistung ab.
Aber auch alle anderen passen perfekt in ihre Rollen und selbst ein Devid Stiesow, den ich oft eher etwas befremdlich finde, spielt hier eine so unglaublich geile Performance, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.
Und bei Albrecht Schuch würde es mich jetzt wirklich nicht mehr wundern, wenn der auch bald mal für internationale Produktionen gebucht werden würde.
Der ist ja innerhalb so kurzer Zeit derartig durchgestartet und veredelt einfach jeden Film, in dem er auftritt, dass das eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein kann.

Storytechnisch war der Film auch absolut stimmig, obwohl ich mich über die Friedensverhandlungen schon gewundert hatte, die ja in der alten Fassung (und auch im Buch) nicht auftauchen. Aber es hat gepasst und funktioniert in Verbindung mit den Geschichten von der Front wirklich gut.
Bei der Charakterentwicklung würde ich zwar nicht sagen, dass die noch deutlicher hätte sein müssen, aber auch ich fand es ein bisschen schade, dass die Szenen im Fronturlaub nicht enthalten waren, die in der alten Fassung noch gezeigt wurden und die ich damals so beeindruckend fand.

Aber, wie Du schon sagtest, das ist Meckern auf hohem Niveau.
Stattdessen freuen wir uns doch einfach, dass man den Mut und die Durchsetzungskraft hatte, so ein Projekt zu stemmen und dann auch noch so ein meisterlicher Film dabei herausgekommen ist.
Hut ab!


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

YEAAAAH🤘🤘🤘🤘
Wir mal wieder einer Meinung!

Aber ich war tatsächlich sicher das du ihn magst.

Ich habe ihn jetzt noch 2 mal gesehen und würde mich k Uhr wundern wenn we preismäasig no h grösser word als Das Boot damals. Ich bin heute Nacht LIVE dabei bei dem Oscars….
Freue mich tierisch!!!


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

Und ich hatte recht;-))
Sie hatten den Film in anderen Kategorien nominiert...und er hat ALLE gewonnen.
DIE MUSIK!!!! MEGAGAEIL!!! Hat mich total gefreut!!!!!!!!!!!!!!!!


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Detlef P. »

Damien3 hat geschrieben: Mo 13. Mär 2023, 09:32 Und ich hatte recht;-))
Sie hatten den Film in anderen Kategorien nominiert...und er hat ALLE gewonnen.
Krass! Das heißt, der Film hat ganze neun Oscars gewonnen?
Wahnsinn!
Wo kann man das nachlesen? :mrgreen:


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Murillo »

Ich kann Euren Ausführungen eigentlich nur in fast allen Punkten zustimmen.
Dies ist ganz klar der beste deutsche Film seit Jahren, und einer von ganz wenigen deutschen Filmen, die komplett ohne Tatort-Vibes oder Keksgewichse auskommen.
Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich vermutet, dass es sich um eine französisch-amerikanische Coproduktion handelt.
Die Kamera, der Soundtrack, die Schauspieler, alles ist absolut geil und die 148 Minuten vergehen wie im Flug.

Besonders "eingebrannt" hat sich bei mir die Szene, in der ein umzingelter Soldat sich ergibt und darum bittet, nicht erschossen zu werden. Stattdessen wird er dann von einem Flammenwerfer gegrillt (fair enough), bevor er langsam in Flammen zusammensackt. Wow, das ist mal wirklich ultra-brutale Horroshow der allerfeinsten Sorte.

Bei den Schauspielern würde ich neben den von Euch genannten vor allem Daniel Brühl hervorheben. Wer meine Beiträge gelesen hat, wird wissen, dass ich nie ein großer Fan von ihm war. Was er hier leistet ist aber tatsächlich absolut großartige Schauspielkunst.
Auch die Verhandlungsszenen fand ich keineswegs unpassend oder störend. Das waren für mich einige der Highlights (neben vielen anderen) in diesem Film.

So wundert es mich nicht, dass der Film sogar einige bedeutsame internationale Filmpreise einheimsen konnte, wie zum Beispiel den Preis für "Best Makeup and Hairstyling" bei den European Film Awards, oder bester Film und beste Regie bei den British Academy Film Awards.


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Detlef P. »

Wow, schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit sind wir alle drei einer Meinung.
Das darf jetzt aber nicht zur Gewohnheit werden, weil sonst die Dynamik des Forums flöten geht und wir im schlimmsten Fall irgendwann so drauf sind wie "Movie-Infos" oder so *schauder* :surpr2:
Murillo hat geschrieben: Do 13. Apr 2023, 11:43 Bei den Schauspielern würde ich neben den von Euch genannten vor allem Daniel Brühl hervorheben. Wer meine Beiträge gelesen hat, wird wissen, dass ich nie ein großer Fan von ihm war.
Das ist mir völlig neu.
Das einzige, was ich gerade finden konnte war, dass Du ihn in "Die Frau des Zoowärters" falsch besetzt fandest, hast ihn aber gleichzeitig als "nicht unbedingt schlecht" bezeichnet.
Murillo hat geschrieben: Fr 19. Mär 2021, 09:38 Daniel Brühl hingegen ist hier eine absolute Fehlbesetzung. In der Rolle des macht- und sexbesessenen Obernazis ist er ungefähr so glaubwürdig, wie Tom Schilling als der Terminator. Ich frage mich, wer immer wieder auf die Idee kommt, Daniel Brühl - der ansonsten nicht unbedingt ein schlechter Schauspieler ist - immer wieder in solchen Rollen einzusetzen...
Falls es so war, hast Du Deine "Abneigung" gegen ihn auf jeden Fall mindestens genau so gut versteckt, wie Deine "Abneigung" gegen das deutsche Kino all die Jahre.


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

Sei vorsicvhtig Muri...der wälzt sich durch 20 Jahre Aussagen....:-)))))


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Murillo »

Hehe, der gute Detti ist besser und zuverlässiger, als ChatGPT, Google Suche und die Telefonauskunft zusammen. :lol:

Ich glaube, dass ich seit "Crazy" damals so eine Art Psychose habe und zumindest unterbewusst mit tiefster Verachtung auf das deutsche Kino herabschaue. Daniel Brühl ist dabei für mich eines der prominentesten Gesichter des neuen deutschen Kinos der 2000er Jahre, zusammen mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Robert Stadlober (die ich hier einfach mal wild und wahllos in einen Topf werfe :lol: ).

Bei diesem Film hier hatte ich allerdings eine ähnliche Erfahrung, wie 2006 mit "Departed", als Leo Di Caprio plötzlich "erwachsen" wurde und ich ihn als Schauspieler ernstnehmen konnte.


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

WER in dieser Welt kann diCAprio nach "Gilbert Grape" NICHT ernst nehmen?????????????????????????????????????????????????????????????????????


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Detlef P. »

Murillo hat geschrieben: Fr 14. Apr 2023, 08:59 Bei diesem Film hier hatte ich allerdings eine ähnliche Erfahrung, wie 2006 mit "Departed", als Leo Di Caprio plötzlich "erwachsen" wurde und ich ihn als Schauspieler ernstnehmen konnte.
Also quasi dieselbe Erfahrung, die Damien mit "Es ist nur eine Phase, Hase" im Bezug auf das deutsche Kino hatte :lol:
Damien3 hat geschrieben: Fr 14. Apr 2023, 10:08 WER in dieser Welt kann diCAprio nach "Gilbert Grape" NICHT ernst nehmen?????????????????????????????????????????????????????????????????????
Alter, Du glaubst gar nicht, wie ich den Herrn damals weichquatschen musste, mit mir "Departed" im Kino anzusehen, weil DiCaprio die Hauptrolle spielte.
Das konnte ich auch nur, weil der Film von Scorsese ist und Nicholson und all die anderen Stars ebenfalls dabei waren.
Seinen Gesichtsausdruck, als ich argumentieren musste: "DiCaprio spielt zwar die Hauptrolle, aber..." werde ich nie vergessen :lach:


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Re: Damien´s "Im Westen nichts Neues 2022"

Beitrag von Damien3 »

Hahahahaa sehr geil!
Tja, einige haben später erst den Durchbruch.
Nur die scheußlich langweiligen Kubricks bekomme ich nicht in einem Stück geschaut.


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