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A Complete Unknown

Verfasst: Do 15. Jan 2026, 10:43
von Murillo
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A Complete Unknown

USA 2024
Regie: James Mangold
Darsteller: Timothée Chalamet, Edward Norton, Elle Fanning, Monica Barbaro, Dan Fogler

Handlung:
Greenwich Village, 1961: Der junge Liedermacher Bob Dylan (Timothée Chalamet) kommt in die Stadt, um sich in der blühenden Folk-Szene einen Namen zu machen. Zunächst besucht er jedoch sein musikalisches Idol Woody Guthrie im Krankenhaus, um ihm seinen Tribut zu zollen. Dabei lernt Bob Dylan neben Guthrie auch Pete Seeger (Edward Norton) kennen, der ihm zu Auftritten in der lokalen Musikszene verhilft. Es dauert nicht lange, bis er unter Anleitung seines Managers Albert Grossmann (Dan Fogler) den ersten Plattenvertrag unterschreibt und bald darauf zu einem der größten Stars des Village aufsteigt. Nebenbei vögelt er sich ungehemmt durch die Nachbarschaft. Doch der Ruhm und die Anerkennung als akustikgitarrenspielender Wortführer der Friedensbewegung machen ihn nicht dauerhaft glücklich. Er gründet seine eigene Rockband und verstört damit sowohl seine Fans, als auch einige seiner größten Förderer. Beim Newport Folk Festival 1965 kommt es dann schließlich zum großen Eklat... Bob Dylan nimmt eine elektrische Gitarre (!) in die Hand und stöpselt diese in einen Verstärker (!!!). Wird es Bob Dylan gelingen, seine künstlerische Vision bis zum Ende zu verfolgen...?
Userkritik (Damien3)

Ich habe viel über den Film gelesen und daher angenommen, dass es sich lediglich um eine Beziehungskiste zwischen Bob Dylan und Joan Baez handele, was mich lange davon abgehalten hat, den Film zu schauen. Denn diesen Aspekt der Geschichte finde ich tatsächlich eher uninteressant. Wen interessiert es, mit welchen Frauen Bob Dylan in den 60ern mal eine kurze Affäre gehabt haben soll? Das Feuilleton hat mich diesbezüglich schon ziemlich in die Irre geleitet, was vor allem daran liegen könnte, dass viele Kinogänger heutzutage ausgerechnet diesen Aspekt interessant finden, den ich uninteressant finde.
Selbst die Kritik von Damien, die ja eigentlich eher eine Kritik an der Person von Bob Dylan, als eine Kritik des Filmes darstellt, hatte mich hier komplett in die Irre geführt.

Denn hätte ich gewusst, dass dieser Film tatsächlich die Electric Dylan Controversy zum Hauptthema hat (was wiederum ein sehr interessantes Thema ist), hätte ich mir den Film schon viel früher angesehen.
Dass Dylan damals "elektrisch" wurde, war tatsächlich ein großer Tabubruch und gleichzeitig ein großer musikhistorischer Meilenstein, was man sich aus heutiger Sicht eigentlich kaum noch vorstellen kann. Und ich finde, dass der Film dies ziemlich gut eingefangen hat.
Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ein großer Fan von Bob Dylan und habe auch früher schon mehrere Dokumentationen gesehen, welche seinen Werdegang beschreiben. Einer davon (Don't Look Back) hatte ich vor fast genau 4 Jahren eine umfangreiche Filmkritik gewidmet.

Und ich muss schon sagen, dass "A Complete Asshole Unknown" vieles richtig darstellt, wenn man die Fiktion mit der Realität vergleicht. Dan Fogler spielt hier einen ziemlich guten Albert Grossmann, der tatsächlich ein sehr spezieller und unterhaltsamer Charakter war und eigentlich auch in "Don't Look Back" allen die Show gestohlen hat. Edward Norton ist absolut brilliant als Pete Seeger, und auch andere Nebendarsteller, wie der Trailerpark-Junge aus "Ozark" machen ihre Sache wirklich gut. Elle Fanning ist großartig und durfte ja vorher bereits unter einem der größten Regie-Großmeister unserer Zeit in "Neon Demon" zeigen, was sie drauf hat. Und über Chalamet und Barbota schreibe ich gar nichts mehr, denn das wurde in den Medien zu diesem Film ja zu Genüge betrachtet.
Wer die Geschichte kennt, wird in diesem Film jedoch auch schnell erkannt haben, dass es viele historische Ungenauigkeiten gibt. So werden zum Beispiel in der finalen Newport-Szene viele Sachen zusammengeworfen, die erst ein Jahr später in Manchester stattgefunden haben (usw.). Aber das sei den Machern verziehen.

Insgesamt ist dies meiner Meinung nach ein sehr guter und gelungener Film, wobei ich natürlich auch einräumen muss, dass das ein bisschen aus Sicht des Fanboys mit rosaroter Brille verfasst worden ist.